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Island – Einstieg und Vorbereitung

Im Folgenden möchte ich eine Übersicht schaffen, die einem die Reise nach und in Island erleichtern soll. Ursprünglich war die Idee lediglich, ein paar Notizen für mich selbst zu sammeln. Daraus entsprang die Idee, all dies für die Öffentlichkeit zusammenzufassen auch mit dem Hintergedanken, die Informationen bei meiner nächsten Island Reise wiederverwenden zu können. Dies kann also durchaus auch als Nachschlagewerk für Wiederholungstäter angesehen werden.

Inhalt

Packliste

  • GPS oder (robustes und nicht energiehungriges) Handy mit entsprechender Software. Ich empfehle Geräte der Garmin Reihe (meins ist ein eTrex Vista HCx), da diese mit frei verfügbaren und recht umfangreichen Kartenmaterial aus dem Internet kompatibel sind.
  • Rucksack mit Regenschutz ist absolute Pflicht. Wer so ein Ding nicht mit hat, ist selber schuld. Der Regenschutz sollte leicht und kompakt wegpackbar sein. Bei Wind diesen übergestülpt zu haben macht wenig Sinn, da sich dieser aufbläht und den Rucksack damit um einiges schwerer macht.
  • Eine leichte wasserdichte Hose zum drüber ziehen mit Reißverschluss entlang den Unterschenkeln. Den geöffnet, kommt man auch mit angelegtem Schuhwerk schnell rein und wieder raus und muss nicht immer die Schuhe ausziehen.
  • Eine leichte wasserdichte aber atmungsaktive Regenjacke, optimal in Leuchtfarbe und mit Kapuze.
  • Kurzbeinige Gamaschen zum über die Schuhe streifen, damit auch die Schuhe wirklich trocken bleiben (auch in wasserdicht es Schuhwerk dringt bei starkem Regen Feuchtigkeit, nämlich von oben, ein). Alles außen am Rucksack befestigen, damit es bei Regeneintritt schnell greifbar ist. (Meine: VAUDE Überschuhe Bike Gaiter Short, 01279)
  • Schraubbarer Campingkocher. Gaskartusche vor Ort kaufen (s. Vor Ort aufrüsten), kommt im Fluggepäck beim Personal oft gar nicht gut an. Ich habe Berichte gelesen, wonach es mit den Kartuschen im Fluggepäck keine Probleme gab, meiner Meinung nach ist es aber das Risiko nicht wert, das Gepäck Tage später nachgeliefert zu bekommen, wenn überhaupt.
  • Gute, wirklich gute Schuhe. Als Zentraleuropäer ist man ja so einiges gewohnt. Die Herausforderung in Island ist jedoch, dass man mit jedem, wirklich jedem erdenklichen Untergrund zu tun hat. An einem und demselben Tag. Sand, Schnee und Eis, Schotter, Moos und Gras (trocken oder feucht, seicht oder auch mal überraschend etwas tiefer), Erde und Matsch, sogar Holz und Metall. In allen erdenklichen Feuchtigkeits- und ggf. auch mehreren Temperaturstufen. Besonders beanspruchend ist erkaltetes Lavagestein, da dies besonders fies scharfkantig ist. Auf einem solchen Lavafeld begegnet einem schon die eine oder andere liegen gelassene Schuhsohle. Ist’s mit dem Schuh vorbei, ist’s mit dem Urlaub vorbei. Hier also Zeit und, wenn notwendig, auch etwas mehr Geld investieren. Schuhläden gibt es nur in großen Orten und die sind dann natürlich viel teurer als bei uns. Und bitte zu keinen Halbschuhen greifen! Durch die Unebene werden die Fersengelenke höchster dauerhafter Beanspruchung ausgesetzt. Schuhwerk, welches die Knöchel überdeckt, unterstützt die Fersen. Wasserdichte und atmungsaktive Schuhe machen besonders dann Freude, wenn man fälschlicherweise beim Überspringen eines kleinen Bächleins an der anderen Uferseite festen Untergrund erwartet oder wenn der Regen zusetzt und man zu faul ist, die Gamaschen anzulegen. Ein solches Schuhwerk trocknet auch schneller und man sollte spätestens am Tag danach wieder in trockenen Sohlen stapfen. (Meiner: Lafuma CIAMA Trekking- & Wanderstiefel)
  • Gute Trekking Socken. Im Vergleich zu normalen Socken sind diese angepasst an den Fuß (links, rechts; erkennbar am Aufdruck an der Socke). Außerdem ist je nach Position die Textur und Webeart unterschiedlich. Dadurch wird zB. der Blasenbildung an der Ferse entgegengewirkt. Besonders empfehlenswert sind die Falke TK2 bzw. Walkie Light sowie die Rohner Trek’n Travel bzw. Fibre Light SupeR.
  • Kochgeschirr & Spülschwamm. Das Geschirr sollte natürlich leicht und kompakt sein. Aus Platzgründen kann der haushaltsübliche Spülschwamm halbiert werden. Optional: Spülmittel. Ich hab aus Gewichtsgründen darauf verzichtet und mit dem Duschgel gespült. Ging ganz gut.
  • Produkte zur Körperpflege. Es überrascht einen, an welch abgelegenen Orten man eine heiße Dusche vorfindet (siehe z. B. die Wanderung Asbyrgi – Reykjahlíd, Tag 4). Und nur weil wir tagelang durch die Pampa stampfen heißt das nicht, dass wir wie ein Iltis stinken wollen. Ökologisch abbaubare Produkte kaufen! Dies ist wichtig, da diese oft direkt in die Natur entlassen werden. Und damit man sich nicht mit mehreren 250ml Tuben rumschleppt, füllt man alles in kleine Reisefläschchen um (10-100ml, je nach Bedarf). Die gibt’s im Drogeriemarkt für verhaltnismäßig teure ~5€. Es tröstet einem der Gedanke, dass man die Dinger später wiederverwenden kann. Ein 2in1 Duschgel/Shampoo spart hier schon mal eine Tube. Damit kann man übrigens auch prima Geschirr spülen. Beim Manne tut ein Aftershave auch eine gute Sache zur Gesichtspflege. Bloß für Zahnpasta und Deo hab ich noch keine zweite Anwendung gefunden.
  • Blasenpflaster. Ich persönlich bin von Compeed recht überzeugt, was nicht heißt, dass alle anderen Müll sind. Diese Pflaster sind in Island deshalb so wichtig, weil die Füße hier über ungewohnt es Gelände marschieren. Die Kombination mit guten Socken und Schuhen ist hierbei mindestens genau so wichtig. Compeed Medium ist schon mal recht gut und gibt’s fast überall. Compeed Extreme Medium hat eine zusätzliche Polsterung, was die zu meinem Favoriten macht. Ggf. auf regionale Aktionen (Ö) zurückgreifen.
  • Kleine Kunststoff-Trillerpfeife. Wiegt nix und hilft viel, wenn mal was richtig schief geht. So kann man auf sich aufmerksam machen, wenn man wo endet, wo man eigentlich nicht sein sollte und sich blöderweise selber nicht mehr helfen kann. Gibt’s in jedem Spielzeugladen oder bei der Bahn.
  • 1-2 Sets Thermounterwäsche langärmlig und -beinig. Nachts durchlüften lassen bzw. an einem Ruhetag mit Wasser durchspülen und trocknen lassen. (Meins: Webster Set Funktionsshirt + Funktionshose lang).
  • Wasser- oder Badelatschen (sind nicht nur zum Furten der Bäche und Flüsse gut um Bodenhaftung zu bewahren sondern eignen sich auch als akzptierte Fußbekleidung in Hütten, in denen ausschließlich Schuhverbot herrscht; auch auf Campingplätzen freut man sich, aus den rauchenden Sohlen rauszukommen und etwas Leichteres tragen zu können). Am Besten im Sportladen günstige kaufen.
  • Feuchtes Toilettenpapier (gibt’s z. B. von DM einzeln verpackt in 20 Stück Packungen) und eine Rolle normales Toilettenpapier (an den meisten Toiletten vor Ort steht Papier zur Verfügung, da kann man sich auch mal eine mitnehmen, wenn man darauf vergisst oder das eigene zuneige geht).
  • Wanderstöcke nach eigenem Bedarf, auf jeden Fall Teleskopstöcke (ich hab sie nur zum Furten rausgezogen und werde sie beim nächsten Mal ganz zu Hause lassen). Wer meint, damit Gelenksschonender voranzukommen oder dadurch eine bessere Balance zu erhalten, nimmt sie mit. Mich hätten sie während des Marsches ganz klar behindert, da ich ohne Stöcke die Schulterrriemen des Rucksacks packen und somit die Schultern entlasten kann.
  • Solar Panel. Am besten zusätzlich einen Saugnapf mitnehmen (damit kann es bequem während Busfahrten oder in einer Unterkunft an die Innenseite eines Fensters angebracht werden). Unterwegs liegt das Ding dann entweder in der Wiese, lehnt am Zelt oder hängt am Rucksack. Dabei sollte bevorzugt ein externer Akku (s. nächster Punkt) geladen werden und erst sobald dieser voll ist, eventuelle Endgeräte direkt verbunden werden. Aus diesem externen Akku können wir nämlich auch Nachts unseren Saft beziehen. (Meins: Instapark Mercury 10, lädt auch bei bewölktem Himmel durchgehend).
  • Externer Akku. Der wird bei jeder Gelegenheit einer Steckdose oder unterwegs unserem Solar Panel anvertraut. Nachts können wir dann unsere Akkus von Kamera, Handy und GPS damit laden. Dabei ist auf eines zu achten: Der maximale Ausgangsstrom des Akkus, dieser wird in Ampere (A) angegeben und beträgt meistens 1A oder 2A ausgangsseitig (output), also an jener Seite, an der wir unsere zu ladenden Geräte per USB dranstecken. Zuerst schauen wir uns das Gerät an, welches vom Akku versorgt werden soll, zum Beispiel ein Ladegerät für unsere Kamera. Darauf sollte der maximale Eingangsstrom (input) aufgedruckt sein (zB. 0,7A). In diesem Fall schafft unser Akku mit maximal einem Ampere (1A) den vom Endgerät verlangten Strom von 0,7A, was gut ist. Benötigt das Endgerät jedoch mehr als der Akku imstande ist zu liefern, sollten wir uns nach einem anderen Akku umsehen. Tablets benötigen meistens einen Ladestrom von zwei Ampere (2A). In einem solchen Fall übersteigt das die Fähigkeit unseres Akkus mit 1A und die Ladung wird nicht durchgeführt. In der Praxis werden kaum mehr als 2A efordert, damit sind wir also bestimmt auf de sicheren Seite. Wer den von seinem Handy benötigten Ladestrom nicht kennt, schaut auf dem mitgelieferten Netzteil (bei output) nach. Bezugsquellen: Conrad, Amazon.
  • Kabel, Adapter, Ladegeräte. Wer hier clever mit Adaptern kombiniert (z. B. Mini/Micro USB Adapter, USB OTG Kabel) und nur Geräte verwendet, die die Versorgung über USB beziehen (ich hab für meinen Kamera-Akku ein spezielles Ladegerät besorgt), kann hier recht ordentlich an Gewicht sparen, da mehrere Ladegeräte entfallen.

Vor Ort aufrüsten

  • Wanderkarten. Papierkarten keinesfalls zu Hause kaufen. Die sind 1. zumeist viel ungenauer als jene vor Ort erhältlichen und 2. ist die Auswahl vor Ort ERHEBLICH größer. Kauft man die Karten überdies bei den Rangern an den Campingplätzen statt an der Tanke, hat man auch noch ein gutes Gewissen, das Geld am richtigen Fleck gelassen zu haben.
  • Gaskartusche, passend zum Kocher, den man schon in der Tasche hat (s. Packliste). Die Kartuschen gibt’s in verschiedenen Größen, mit der größten Kartusche von Coleman (500) sollte man ca. ein Woche auskommen. Es gibt auch verschiedene Gas-Mischungen, allerdings habe ich nur den allroundfähigen 4-Seasons-Mix gefunden. Am besten mit dem Kocher im Sack rein in den Laden, fragen und zum empfohlenen Produkt greifen. Gaskartuschen sind auch eine beliebte Hinterlassenschaft auf Hütten und Campingplätzen, da sich keiner eine halbvolle mit nach Hause schleppen will. Die werden zumeist von den Betreibern verschlossen. Einfach mal nachfragen, wenn der Brennstoff zuneige geht. Möchte man selber gerne eine solche hinterlassen, wird es bestimmt jemanden geben, der sich darüber freut. Auch in diesem Fall mit dem Betreiber sprechen. Gaskartuschen gibt es in Reykjavik unter Anderem auch hier: ZO-ON, Bankastræti 10, 101 Reykjavík.
  • Einweg-Wasserflaschen. Man kann sich sicher tolles und professionelles Equipment von zu Hause mitnehmen, am Einfachsten ist aber der Kauf solcher Flaschen vor Ort. Die sind billig, halten dicht und man kann sie zusammenquetschen. Gibt’s in jedem Supermarkt.

Essen, trinken, Schnaps und Wein?

In diesem Punkt teilen sich die Meinungen erheblich, wie auch an den täglichen Stops zu erkennen ist, wenn alle ihr Essen zubereiten. Fast ausschlieslich handelt es sich um dehydrierte Speisen, da diese im Gewicht viel leichter sind als zum Beispiel Speisen aus der Konserve. Ich habe aber auch Steaks, Obst und Eier am Speiseplan so Mancher gesehen… Wichtig ist nicht nur zu wissen, dass man alles eventuell mehrere Tage schleppen muss sondern vielmehr, dass der erhöhte Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen gedeckt ist. Das kann man erreichen durch Kauf von spezieller Nahrung, die all dies abdeckt. Das hat meiner Meinung nach zwei Nachteile: 1. liegen die Preise solcher Speisen deutlich über dem Soll. 2. schränkt dies Auswahl und Variation weiters ein. Alternative: Kaufen, was der Supermarkt in der Trockennahrungsabteilung hergibt und den eigenen Vorlieben und Kochkünsten entspricht (Beispiele siehe unten), dies ergänzen mit Vitamin- und Magnesium (lösliche Tabletten, Pulver o. Ä.; Magnesium, so spricht die Apothekarin beim Kauf zu mir, wird im Körper am Besten in der Zeit zwischen 16 und 17 Uhr verarbeitet). Zusätzlich pro Tag zwei Energieriegel aus dem Drogeriemarkt (einen zu Beginn und einen am frühen Nachmittag; und nein, damit sind keine Snickers gemeint!) und reichlich Schokokekse. Dies sichert regelmäßiges Anhalten und Genießen, auch der Umgebung, kleine aber wichtige Energieschübe und einen konstant versorgten Energiehaushalt. Dazu Nussmischugnen (ca. 20-50 Gramm / Tag). Eine 1,5 Liter Wasserflasche für unterwegs (zwei oder mehr wenn Wassermangel an der Strecke herrscht). An Orten, an denen es Kochgelegenheiten gibt, lassen Reisende gerne etwas zurück. Das können profane Sachen wie Reis oder Couscous sein, da können aber auch schon mal ein paar Schmankerl darunter sein. Einfach zugreifen (Ablaufdatum oder Datum der Hinterlassenschaft beachten) und auch gerne mal selber etwas für andere hinterlassen (wenn Ablaufdatum nicht drauf steht, entweder eben solches oder das aktuelle Datum drauf schreiben).

Was bietet sich als Hauptnahrung an?

Grundsätzlich alles an Trockenfutter, von Teigwaren wie Pasta oder Spätzle bis über Reis und Couscous, wobei die beiden Letzteren in ihrer Reinform eventuell noch gewürzt werden sollten. In einem solchen Fall ist also auch an getrocknetes Gemüse, Salz oder andere Gewürze und Butter zu denken. Unverfeinerte Gerichte (z. B. Tortellini) kann man gut mit einer Sauce in Pulverform zu einer Hüttensalonfähigen Mahlzeit zubereiten und hier mit den Saucen variieren. Pulverisierte Suppen (Tomate, Kartoffel, Bärlauch, Karfiol, Broccoli usw.) dienen als Vorspeise und die zuvor erwähnten Schokokekse tun ihr Notwendiges als Desert. Kaffeetrinker bedienen sich löslichem Kaffeepulver (gröberes Granulat eventuell zuvor zermahlen um Platz zu sparen und mehr in die Dose zu bringen). Eine heiße Schokolade kann einen wundervollen Tag ab runden, auch den gibt’s in Pulverform zum Aufguss mit Wasser (Achtung:  nicht zu solchem greifen, welches ausschließlich mit Milch aufzugießen ist, die gibt’s unterwegs wenn dann nur aus erster Quelle, vorausgesetzt man ist schnell genug und erwischt eine Ziege; hier sei erhöhte Vorsicht geboten vor jenen mit Hörnern am Kopf).

Ich resümmiere meine persönliche Einteilung pro Tag
  • 1x Suppe
  • 1x Hauptgang
  • Ca. 50-100g an Schokolade (Kekse o. Ä.)
  • 2x Energieriegel
  • 20-50g an Nüssen
  • 1 Esslöffel Pulverkaffee
  • 1 Esslöffel Pulverkakao
  • Tagesdosis an Vitaminergänzung in Tablettenform, aufgelöst in Wasser
  • Tagesdosis an Magnesium in Pulverform, aufgelöst in Wasser
  • Ein Siebtel der Gasration

Kartenmaterial und Reiseführer

Obwohl wir mit GPS wandern, bieten Wanderkarten in Papierfom den unschlagbaren Vorteil des vergleichsweise riesigen Bildschirms und der Tatsache, dass ihnen der Akku nie ausgehen wird. Die natürlichen Feinde sind jedoch mechanische Belastungen und Feuchtigkeit. GPS und Papier sollten sich als logische Folge ergänzen und nicht ersetzen.

Am Besten kauft man Karten bei den Rangern vor Ort, sofern diese dort verfügbar sind. Die haben genau die Karten für eben jenes Gebiet, in dem man sich gerade bewegt. Alle größere Campingplätze oder Orte mit einer Touristeninformation beinhalten in der Regel ein solches Angebot. Lässt man Geld an einem Ort liegen, darf man sich auch auf auskunftsfreudigere Menschen verlassen. Also Karte kaufen (auf Aktualität achten), Stift raus, Fragen stellen und alles einzeichnen, was man noch wissen möchte (siehe Was in keiner Karte steht). Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht einen Buchhandel auf. Da hier jedoch meistens das ganze Land abgedeckt wird kann es sein, dass das gewünschte Gebiet nicht mit dem besten Maßstab verfügbar ist. Insider-Tips wie bei den Rangern gibt’s hier keine. Bitte nur wenn’s nicht anders geht die Karten an der Tankstelle kaufen. Die haben meistens veraltetes Material, sind bis zu zehnmal (!) so teuer, haben eine noch beschränktere Auswahl und das Geld ist sowieso nicht richtig deponiert. Empfohlene Vorgehensweise: Im Buchladen das Gewissen mit einem groben Maßstab beruhigen und wenn verfügbar, bei einem Ranger feines Material nachkaufen. Elektronisches Kartenmaterial sollte ohnehin mit dabei sein. Empfehlenswerte Kartenanbieter: Ferðakort, Útivist. Für Städte gibt’s an jeder Ecke gratis Karten.

GPS Gerät vorbereiten

Wichtig: Bei Wanderungen abseits markierter Strecken wird ein gut vorbereitetes GPS Gerät schnell zum überlebenswichtigen Begleiter. Aber auch entlang markierter Strecken kann ein solches Gerät überaus hilfreich sein, zum Beispiel um bevorstehende Auf- bzw. Abstiege zu bewerten oder zu erfahren, wo die nächste Schutzhütte liegt (falls das Wetter umschlägt).

Ich empfehle Geräte der Garmin Reihe. Die Dinger sind nicht nur robust sondern lassen sich mit frei verfügbarem Kartenmaterial aus dem Internet bestücken. Soll nicht heißen, dass das mit anderen Geräten nicht ginge oder die Mist sind. Allerdings habe und hatte ich bis dato nur ein Garmin und recht gute Erfahrungen damit gemacht.

  • Kartendaten sollten so aktuell wie möglich sein. Gute Bezugsquellen:
  • GPS Daten (Tracks, Punkte bzw. POI in Form von GPX-Dateien) besorgen oder selber erstellen. Gute Bezugsquellen:
  • Beides vorab am Computer ansehen und prüfen. Bewährte Software:
  • Wichtig zu beachten: Auch die am Computer einfach aussehende Strecke (was z. B. Höhenänderungen betrifft) kann sich in der Praxis als höchst anspruchsvoll erweisen (z. B. bei der Überquerung von erkalteten Lavafeldern, beim Furten oder Querfeldeinmarsch oder wenn sich die Geologie zwischenzeitlich verändert hat). Daher sollten, auch wenn es manchmal ziemlich langweilig ist, aktuelle Reiseberichte und Erfahrungen der geplanten Routen gelesen und gespeichert werden. Einige Bezugsquellen:

Handy vorbereiten

Das Handy wird immer mehr zum permanenten Begleiter in allen Lagen. Speziell in fremden Umgebungen kann es uns oft wertvolle Tips und Ratschläge geben (auch wenn die nicht immer ganz objektiv sind oder zutreffen, sind sie doch gute Anhaltspunkte) oder sogar zum Lebensretter werden. Wichtigste Regeln daher:

  • Prüfen, ob der Netzbetreiber Anrufe aus dem Ausland in das Ausland zulässt (Roaming). Zwar sind internationale Notrufnummern (wie 112) auch ohne aktiviertem Roaming erreichbar, andere (wie zB. die der Bergrettung nicht). Sicher ist sicher und Mehrkosten sollten dennnoch nicht auf einen zukommen, außer man ist auf einen solchen Anruf angewiesen (und dann spielt Geld meistens keine Rolle).
  • Alle wichtigen Rufnummern am Beginn des Adressbuches (zB. durch Voranstellen einer Null) speichern. In Paniksituationen reagiert man nicht selten irrational und vergisst auch mal die einfachsten Dinge. Wichtige Rufnummern:
  • Folgende Apps (alle in Englisch) stellen eine riesen Hilfe dar, wenn man sich in Island bewegen möchte (da ich selber Android nutze, kann ich nur hierfür Empfehlungen aussprechen):
      • 112 Iceland App (formlose, manuelle Übermittlung der aktuellen Position sowie Notruffunktion mit automatischer Übermittlung der aktuellen Position) (Mehr Informationen).
    • Locus Map (Outdoor GPS Eierlegendewollmilchsau, ein Must-Have; kann entweder mit den Kartendaten der oben genannten Quellen für’s GPS oder mit Vektorkarten aus dem programmeigenen Repertoir (Shop, zum großteil kostenloses Kartenmaterial) bestückt werden; auch die oben genannten GPX-Daten können hiermit verwendet werden. Locus gibt’s auch in einer Pro Variante (ich rate sehr zum Kauf jener). Im eigenen Shop können Vektorkarten bezogen werden. Die sind von der Dateigröße her kleiner und lassen sich mit verschiedenen Themen unterschiedlich darstellen. Auch die Textgröße kann man hier ändern.
    • Locus – Addon Map Tweak (ergänzt Locus mit vielen zusätzlichen Online-Karte quellen wie Google, Yahoo oder Bing).
    • Locus – Addon Geocaching (gibt dem Urlaub den letzten Kick, wenn man sich gerne mit der Suche nach Geocaches beschäftigt).
    • Booking.com, Hostelworld, TripAdvisor (zur Suche, Verfügbarkeit und Buchung der Unterkunft).
    • Strætó (das Programm des nationalen Busunternehmens; bietet eine optimale Übersicht aller Haltestellen im Land und berechnet aufgrund der Fahrpläne Strecken und Umstiegspunkte; Haltestellen-Favoriten können angelegt werden).
    • Verður (nationale Wettervorhersage – und warnungen; sehr genau bei Vorhersagen der kommenden 24 Stunden; wird auch von den Rangern und Hüttenwarten verwendet um Auskünfte zu erteilen).
    • Konverter (konvertiert alles, auch die Isländische Krone in Euros).
    • LEO Wörterbuch (zur Übersetzung einzelner Worte von Deutsch ins Englische, wenn einem mal die Worte fehlen).
    • 112 Iceland App (formlose, manuelle Übermittlung der aktuellen Position sowie Notruffunktion mit automatischer Übermittlung der aktuellen Position) (Mehr Informationen).

Was manchmal in einer Karte steht

  • Wanderwege sind nicht alle indiziert. Nur weil es keine Karte mit eingezeichnetem Weg gibt heißt es nicht, dass dort keiner ist. Mit ziemlicher Sicherheit jedoch ist dieser dann in einem solchen Fall schlecht bis gar nicht gekennzeichnet und man sollte in jedem Fall ein GPS bei sich tragen, um zumindest in die richtige Richtung zu laufen.
  • So gut wie in keiner Karte ist die Wegbeschaffenheit verzeichnet. Hier sollte man sich vor Ort erkundigen, wenn man ein bestimmtes Niveau nicht überschreiten möchte oder kann (Kinder, Senioren, beeinträchtigte Personen, …). Gute Auskunft erteilen auch die Anschlagtafeln an Beginn und/oder Ende des Weges. Möglicherweise gibt es zu einem schwierigen Weg eine einfachere Alternative (siehe z. B. die Wanderung Asbyrgi – Reykjahlíd, Tag 3).

Was in keiner Karte steht

  • Die Ranger, Hüttenwarte, Streckenbetreuer (Volunteers) usw. haben super Informationen über die Strecken, Trink- und Besser-Nicht-Trink-Quellen, können Auskunft über Wetter erteilen und freuen sich immens, wenn man ihnen Grüße vom Ranger des Vortages ausrichtet.
  • Beim Wandern abseits markierter Strecken ist das Folgen von Reifenspuren oft kein schlechter Gedanke und kann auch mal aus der Misere herausführen. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass Mensch und KFZ unterschiedliches Gelände bewältigen können. Es kann also schon mal vorkommen, dass das Fahrzeug zwar einen kürzeren Weg nimmt, dieser aber für den Wanderer am Ufer eines unüberwindbaren Gewässers endet. Anders rum können auch schon mal KFZ Spuren Umwege nehmen müssen und wir wären mit der kürzesten Verbindung zweier Punkte, einer geraden Linie, besser bedient gewesen. Generell ist jedoch immer eins sehr wichtig und immer zu beachten: Die Isländische Fauna ist im höchsten Maße empfindlich, was mechanische Einflüsse betrifft. Dies wird jedoch unweigerlich beim Beschreiten unvorhergesehener Wege passieren. Es sollte daher unbedingt zuvor ein Ranger oder eie andere verlässliche Quelle über den Streckenverlauf und eventuelle Alternativen befragt werden. Ergänzend sollten Reiseberichte hierzu genauestens zu Rate gezogen und eventuell Kontakt zum Verfasser hergestellt werden. Steht man erst mal in der Prärie und sucht verzweifelt einen Ausweg aus dem Malheur, ist es zu spät. Und das kommt schneller, als man “Schutzhütte” sagen kann. Ausserdem freut sich jeder, wenn er von seiner Reise berichten kann und auf einen interessierten Zuhörer stößt. GPS gut vorbereiten!

Reisen in Island

Auf jeden Fall sicher! Island hat dafür die Internet Seite safetravel.is geschaffen. Hier kann man seinen eigenen Reiseplan hinterlassen und sich über verschiedene Risken übersichtlich informieren. Das ist eine gute Idee. Es gibt auch ein ziemlich lässiges Video, das einem zeigen soll, dass sich Bewegen in Island nicht immer Kindergeburtstag ist.

  • Per Anhalter. Schöne Idee. Funktioniert auch, Richtung Reykjavik, weil die meisten irgendwie in diese Richtung fahren. Will man dann aus Reykjavik auch wieder raus, wird’s schon anspruchsvoller und man sollte viel Geduld mitbringen. Isländer bleiben in der Regel gar nicht stehen, die Fahrzeuge der Touristen sind meist aus Budgetgründen nur zu groß geratene Caddies, wie man sie von Golfplätzen kennt, zweisitzig und den Kofferraum voll mit den Reisetaschen. Und dennnoch ist die Sache nicht ganz hoffnungslos. Die einen halten dann bei Regen an, weil man da besonders erbärmlich aussieht, die anderen wollen keine nassen Sitze. Bewährt hat sich das Platzieren auf einem Parkplatz einer Touristenattraktion. Beim Einfahren der Fahrzeuge die Fahrer gleich mal anquatschen (ein bisschen plaudern und witzeln hat noch keinem Smalltalk geschadet und dann und wann trifft man auch einen Landsmann), ob, wann und wohin sie weiter-/zurückfahren und natürlich, ob ein Platz frei ist. Manche meinen dann “ja guggen ma mal, ob du nachher dann noch da stehst, dann nehm ich dich mit”. Bummtschack, mehr brauchen wir nicht, der Platz ist unser. Diese Methode hat drei Vorteile. Zum Einen hilft es natürlich ungemein, wenn ein Auto an einem Parkplatz zum Stehen kommt und der Fahrer aussteigt. Da reicht ein “excuse me” mit einem ehrlichen Lächeln (auch zumindest halbwegs gepflegtes Aussehen können da nicht schaden) und schon ist man im Gespräch. Weiters kann man gleichzeitig bei ein- und ausfahrender Kundschaft anfragen und weiß man erst mal, wie lange sich ein potentielles “spring rein” an der Attraktion aufhält, hat man ungefähr auch schon ein Zeitfenster, wie lange man den Daumen noch hochhalten muss. Drittens ist man jenen Hitchhikern einen Schritt voraus, die sich auf den Das-Auto-Fährt-In-Meine-Richtung-Weg konzentrieren.
  • Mietauto. Kurz gesagt: Kostet Geld. Und zwar richtig. Der oben genannte Caddy fällt schon mal mit 100€ zu Buche. Weit kommt man mit dem nicht. Will man furten oder gesondertes Gelände befahren, ist Schluss. Viele Straßen erlauben, nur von Allradfahrzeugen befahren zu werden, die Vermieter treten bei Nichtbeachtung und Eintritt eines Schadens von jeglicher Haftung zurück. Also muss ein 4WD mit im besten Fall wasserdichtem Motor her, damit die Gaudi weiter gehen kann. 400€ kostet der Spaß dann. Aufwärts. Pro Tag.
  • Öffis. Zug oder U-Bahn gibt’s nicht, verständlich. Vulkanausbruch, alles im Arsch. Schweres Gepäck darf immer mitgebracht werden. Dies wird bei allen Unternehmen anstandslos in einem dafür vorgesehenen Frachtraum, entweder unterhalb des Fahrgastraums oder in einem Anhänger, transportiert. Man sollte sich also auf die Fahrt vorbereiten und Zeitvertreib, Essen und Trinken vom Hauptgepäck trennen, um dies mit in die Fahrgastkabine mitzunehmen. Meist werden lange Strecken halbiert und eine Pause von 30-45 Minuten an einer Tankstelle mit Einkaufsgelegenheit und einer Imbissbude eingelegt. Da kann man dann auch mal pinkeln gehen. Sollte es vorher schon zwicken, sagt man dem Busfahrer an einer Haltestelle kurz Bescheid. Die meisten Busse haben 230V Steckdosen (in jeder zweiten Sitzreihe, manchmal auch nur eine pro Seite) und gratis WLAN an Bord.
    • Strætó ist der Name des offiziellen Busunternehmens. Das Unternehmen bietet eine tolle Fahrplanabfrage, übersichtliches Karten- und Fahrplanmaterial sowie ein tolles App für’s Handy (siehe Handy vorbereiten). Die Busverbindungen in Reykjavik sind vorbildlich. Will man aber raus, muss man an der Planung schon etwas genauer arbeiten. Strætó fährt rund um die Insel entlang der Ringstraße und bleibt entlang dieser alle zig Kilometer stehen. Die Stops sind gut gewählt für Touristen und die Preise vernünftig.
    • Ein alternatives Busunternehmen ist Reykjavik Excursions mit dem Produkt Iceland On Your Own (IOYO, Fahrt von A nach B). Die Linien sind hier in einer schematischen Karte dargestellt, Fahrplan- und Preisabfrage kann hier durchgeführt werden. Damit kommt man an viele Schauplätze, die von Strætó nicht bedient werden, auch und vor Allem im Landesinneren. Die Preise sind allerdings waghalsig und die beworbenen scenic stops, also Zwischenstops an schönen oder interessanten Punkten sowie die gesamte Fahrt, zur Gänze unmoderiert und ab und an auch unmotiviert. Dies stellt allerdings oft die einzige noch finanzierbare Alternative dar, um an’s Ziel zu gelangen (siehe zum Beispiel die beschriebene Strecke von Akureyri nach Ásbyrgi).
  • Alles Andere. Man kann fliegen, ob per Flugzeug oder Helikopter, die Reise per Fähre antreten oder sich mit dem Fahrrad abstrampeln (wovon ich wegen des rasch wechselnden Wetters und des Windes und überhaupt abseits der Ringstraße abrate).
  • Oder man geht. Dafür muss man nur genug Zeit haben. Und wirklich, wirklich gute Schuhe.

Übernachten in Island

In allen Fällen bieten Bewertungsplattformen wie TripAdvisor mit Sicherheit keine ausschließlich objektiven Erfahrungswerte an. Nimmt man sich aber etwas Zeit, kann man sich dennnoch zumeist ein recht gutes und wahrheitsgetreues Bild der Unterkunft machen. Zum Lesen von Bewertungen empfiehlt sich TripAdvisor, suchen und buchen geht gut mit Hostelworld (war während der Reise mein Favorit) und Booking.com.

Da Island überzogen ist von freien WLAN Netzen, sollte man sich ein paar Apps auf’s Handy ziehen. Die eben genannten Plattformen bieten eben solche an. Mehr Informationen dazu weiter oben im Punkt Handy vorbereiten.

  •  Wer das nötige Kleingeld hat, nimmt sich ein Hotel. Bekannte Plattformen wie booking.com geben Einsicht über Preise und Bettenbelegung.
  • Finanzierbarer für kleinere Geldbeutel sind die weit verbreiteten Gästehäuser (Guesthouse). Auch hier ist die isländische Gastronomie bereits ausgezeichnet vernetzt und die meisten Betten können über Netzwerke wie booking.com oder Hostelworld gebucht werden. Gästehäuser bieten ein eigenes Zimmer mit variabler Anzahl an Betten an, allerdings werden im Vergleich zum Hotel die Zimmer bis zur Abreise nicht gereinigt. Die Häuser sind unter Tags meist unbetreut, das Personal sollte aber telefonisch erreichbar sein. Gegebenenfalls sollte man sich bei der Ankunft sagen lassen, wie man Kontakt zum Personal herstellen kann, wenn man vom Handy nicht telefonieren will (Roaminggebühren). Badezimmer bzw. Toilette ist meistens am Gang und daher mit anderen Gästen zu teilen. Kochgelegenheiten und WLAN sollten immer mit dabei sein. Oft hat man überdies die Option, das Bett ohne Bezug zu buchen (sleeping bag accommodation). Dann breitet man einfach seinen Schlafsack auf der Matratze aus und spart somit nochmal ein paar Kröten.
  • Wer auf Privatsphäre verzichten kann und/oder gerne mit anderen Leuten in Kontakt kommen möchte, nimmt sich ein Mehrbettzimmer in einem Hostel (shared room accommodation / dorm). Die findet man recht gut über Hostelworld. Man schläft mit mehreren Personen in einem Raum, die Anzahl ist variabel und der Preis höher, je weniger Betten das Zimmer hat. Auch hier sollte es Kochgelegenheiten und WLAN sowie eine Rezeption vor Ort geben. Betten können auch hier optional ohne Bezug gebucht werden. Die Zimmer sollten einen verschließbaren Behälter haben, Hängeschloss also nicht vergessen. Dusche, Bad und WC gibt’s entweder pro Zimmer oder am Gang zum Teilen mit anderen Zimmern.
  • Noch günstiger ist zweifellos das Campen am Campingplatz. Jedes Dorf hat irgendwo einen solchen Platz mit etwas Infrastruktur (Wasser, Duschen, Strom, Kochgelegenheiten, …). Hierzu braucht man allerdings natürlich entweder ein Zelt oder einen Campingwagen. Oder man kennt jemanden mit einem Zelt. Gezahlt wird pro Nase und Nacht, was sich auf ca. 1500 ISK beläuft. Manchmal kostet die Benutzung einer Dusche extra.
  • Gratis geht’s auch. Das Jedermannsrecht gesteht einem Jedem das Recht zu, überall wild zu Campieren. Ausgenommen sind private Flächen und Naturschutzgebiete. Ausserhalb kann man sich frei austoben.

 

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